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datenschutz
gestern war ja die abstimmung über den beitritt zum sogenannten schengen-sicherheitsraum. während von national-konservativer seite ein angeblicher souveränität- und sicherheitsverlust aufgeführt wurde, waren die linken und auch meine bedenken doch auf seiten des persönlichkeits- und datenschutzes und ein unbehagen gegenüber zusätzlichen polizeilichen mitteln.
doch was ist wichtiger? die zugewonnene freiheit oder die abneigung gegen zusätzliche polizeiliche mittel? naja, darauf werd ich nicht eingehen. aber als erste massnahme zur verstärkung meiner persönlichkeitsrechte hab ich nun eine sogenannte datensperre beim personenmeldeamt und beim steueramt eingerichtet. entgegen der irrigen annahme, behörden dürften über unsereins keine auskunft geben, ist es so, dass sie es dürfen, bis wir die auskunftserlaubnis explizit aufgehoben haben - d.h. ein sogenanntes opt-out ist von nöten. aber das kann man gaaanz einfach machen, in dem man die entsprechenden musterbriefe von der page der stadt zuerich ausfüllt, ausdruckt und abschickt.
das schöne hierbei ist, dass ich mich mit dieser datensperre vom allgemeinen durchschnitt abhebe und mit filippo und christoph gleichziehe ... deren steuerdaten kriegt man auch nicht ...
gravitation
tja, auch christoph muss die gravitation berücksichtigen. oder wollte er es fidel gleichmachen? worüber rede ich? ganz einfach: hierüber (WMV 640kb)
vp @ san diego - california
tja, also, wer es noch nicht weiss, ich bin im moment gerade da drüben, über dem teich, ja, kalifornia. apropos teich, hier im hotel schwimmt morgens und abends jeweils ein enten-paar im pool herum und die interessierts nicht im geringsten, was um sie herum passiert.
auf jeden fall ist der ganze trip aeusserst amuesant, insofern, dass ich meine arrogante europäische kulturkritik ausleben kann und die amis verächtlich belächeln kann, soviel ich will. insbesondere krieg ich auch gaaanz viel gelegenheit hierzu, weil im convention center des hotels hier ist im moment gerade ein army/navy/marines kongress mit paar hundert hohen offizieren, die ständig im gelände herumlatschen während ich am pool hocke und das buch "anthrax" von philip sarasin lese. uebrigens, ein fantastisches buch, aber dazu spaeter noch was.
auf jeden fall, was ich eigentlich mitteilen wollte: bin ja nicht zum ersten mal in diesem land, aber irgendwie hab ich das gefuehl, dass es von jahr zu jahr krasser wird mit der artifizielität des ganzen lebens hier. alles ist fake, alles ist schauspiel. nichts ist echt. und die leute merken es nicht. ich mein, ich hab schon viele kinderfeten gesehen, in ch, in jugo, in de, in cz, eigentlich ganz europa, in kuba, kanada, aegypten, marokko etc. es waren einfach so kinderfeten. aber die kinderfete heute, im air and space museum sah einfach so strub aus. daddys mit kiddies, food von subway gesponsert/geholt/gecatert. aber nicht irgendwie nur halt die vermischung von kommerz und kinderfete war strub, einfach die ganze situation. ist schwierig zu erklaeren, aber es sah einfach nicht nach normalen kindern und kinderfeten aus. und so ist eigentlich das ganze land. just pretend to ...
hach, herrlich, tut gut, diese kulturkritik.
bleiberecht für familie quispe
heute hat der regierungsrat des kanton zuerich mal wieder demonstriert, dass es um anstand, rationellem vorgehen und dem respekt vor menschen im kanton zuerich schlecht bestellt ist. er wies den rekurs der familie quispe gegen die bevorstehende ausweisung ab. die familie quispe wohn seit 15 jahren in der schweiz, beide eltern arbeiten seit eh und je, die töchter im alter von neun und zehn jahren gehen in zürich zur schule und sind bestens integriert. der einzige makel? sie hatten nie eine offizielle aufenthaltsbewilligung.
der ablehnungsentscheid fusste darauf, dass laut regierungsrat die familie unter anderem persönlich und sozial mit bolivien verbunden ist, weil sie noch verwandte dort leben hat ... und ausserdem sei ein aufenthalt von 15 jahren in der schweiz noch kein wesentliches element für einen härtefall.
ach ja, zwei töchter, die in zürich zur schule gehen, die perfekt deutsch sprechen, deren freundeskreis hier liegt, zwei eltern, die seit 15 jahren ohne jegliche staatliche unterstützung gearbeitet und gelebt haben und jetzt zurück ins nichts spediert werden sollen. ich weiss nicht, ich finde so eine entscheidung doch sehr HART.
interessant ist natürlich auch die tatsache, dass es in zürich ja gar keine härtefälle gibt. zumindest aus sicht des regierungsrates, weil bis jetzt absolut niemand das bleiberecht wegen eines härtefalles erhalten hat.
hoffen wir, dass doch noch ein möglicher öffentlicher druck einen anderen kanton dazu bewegen könnte, für diesen fall eine härtefallregelung durchzusetzten. ansonsten wird wohl alles beim alten bleiben: die schweiz wird weiterhin das asylrecht demontieren (kann man das noch als recht bezeichnen?) und weiterhin die mähr von der humanitären tradition aufrecht erhalten.
s'esthi
die zuercher polizeivorsteherin hatte in der letzten ausgabe der sp-mitgliederzeitung links.ch das gastrecht, ihre ansichten über die globalisierung kund zu tun. und sie tat dies unter dem vortrefflichen titel "Globalisierung: Konsequent bitte!", wo sie erst gegen die globalisierungskritiker (sie nennt sie gegner) lästert um danach in einen peinlich pathetischen ton verfaellt: globalisieren wir die rechte der kinder! globalisieren wir eine umweltgerechte produktion! etc. etc. - ohne dabei aber auch nur ein bisserl über das WIE, WER und WANN zu reden. will sie es etwa beten und warten, dass es von selbst geschieht?
ich weiss es ja auch nicht besser und es ist ja nicht so einfach, aber dass gerade madame repression, die einen grossen beitrag am neuen polizeistaat schweiz leistete, in welchem allfaellige demonstrationen bereits im keime niedergeknueppelt werden, kiddies einfach so aus ner laune heraus verhaftet werden, von irgendwelchem verbessertum zu lallen beginnt - widerlich.
das tragische an der ganzen geschichte, um etwas von esthi zu abstrahieren, ist, dass in den letzten fünf jahren die demonstrations- und meinungsfreiheit so eingeschraenkt wurde und niemand sich darüber mehr aufregt. man nimmt es zwar wahr, aber wirklich realisieren tut es niemand. erinnert man sich doch zum beispiel an die "Free Tibet" aktion anno 1999, als chinas staats-präsident Jiang Zemin in der schweiz weilte und sein empfang im bundeshaus von einer free-tibet demo gestört wurde. damals wurde ihm noch von ruth dreifuss erklärt, das sei halt demokratie und meinungsfreiheit. wetten, dass eine solche aktion mittlerweilen niedergeknüppelt und eingegast werden wuerde?
debatte
war gestern an der regierungsratwahldebatte im kaufleuten, moderiert von gilli, dem schawi-nachfolger, tele-züri programmleiter und gift-zwerg in persona. kam eine minute nach dem die türen zum saal geöffnet wurden - rappelvoll, praktisch besetzt bis auf den letzten platz, durch stramme parteisoldaten für den klein-blocher-verschnitt, toni bortoluzzi. war wirklich kein netter anblick - frustrierte, verbitterte gesichter von männern im pensionsalter, deren gesichtsfalten so aussehen, als hätten sie seit ewigkeiten nicht mehr gelacht. offensichtlich ist politik wirklich kristllistationspunkt für frustrierte leut.
gegangen bin ich an den event, weil ich hoffte, mich dann entscheiden zu können,ob ich jetzt taktisch wählen (hollenstein) soll, wie die sp es gerne möchte oder ob ich genner (idelogisch, man ist kein steigbügelhalter für bürgerliche) wählen soll. aber überzeugt hat genner nicht sonderlich. und hollensteins einstudierte selbstbeweihräucherung war grässlich. und genners geschwafel von wegen die linke mobilisieren, damit die auch wählen gehen, weil sie sich jetzt da zur verfügung stelle, war auch etwas peinlich. und die peinliche einlage von ex-juso und jetzt junge-grüne bastien girod, der genner nen steilpass bezüglich russpartikel-filter-verordnung bei baumaschinen geben wollte und die frage so brachte, dass wohl jeder merkte, dass die frage bestellt war ... brr grässlich. wenn schon sich selbst inszenieren, dann bitte so, dass einem nicht das schaudern kommt.
und uebrigens war bis jetzt grünes dazwischenpreschen taktisch gesehen ne katastrophe - sei es EWR (grüne sagten damals nein) oder sei es ralph nader in den US (kostete al gore den sieg).
von dem her wird es vielleicht wirklich so wie in der kindheit, als man etwas aufgetischt bekam, was man partout nicht essen wollte, es dann aber runterwürgte, weil man sich sonst die aussicht auf den nachtisch verbaut hätte: man wählt halt doch den hollenstein ... (muss mir das aber noch wirklich überlegen ...)
rekrut cello
hab da aus nicht-militärischen kreisen ein kleines schmankerl, welches mal wieder gut und deftig auf militärpersonen eindrescht. der kleine soldat rico cello, der per telefonanruf versucht mitzuteilen, dass er wohl erst doch morgen einrücken wird...
und wenn ich da schon dabei bin, eine kleine empfehlung: panzerkinder (WMV, 70MB). absolut herrlich.
Politpositionen zum Nationalratswahlkampf
Ich war ja mal JUSO Stadt Zürich Präsi, und da hab ich halt an den NR Wahlen 2003 teilgenommen. Und da ich mit der Internet-Page www.keine-schweinereien.ch alle JUSO KandidatInnen zwang, ihre Positionen darzulegen, kam auch bei mir etwas zusammen. Deshalb kann ich zur Frage meiner Gesinnung eine kurze Antwort geben:
Zur ...
... Globalisierung:
Ein internationales Handelsrechtsystem ohne jegliche Möglichkeit der Einflussnahme durch die dadurch betroffene Bevölkerung kann nicht im Sinne einer Demokratisierung der Welt sein. Die Globalisierung hat dazu geführt, dass Entscheidungsprozesse ausserhalb der eingespielten, wenigstens in einigen Staaten halbwegs demokratischen, Strukturen stattfinden. Die Angriffsfläche, die es zweifellos braucht, um soziale Interessen zu formulieren und durchzusetzen, ist verschwunden. Die Bevölkerung soll aber in allen sie betreffenden Fragen entscheiden können. Die momentane Globalisierung ist aber schlicht und einfach die globale Durchsetzung der wirtschaftlichen Interssen der kapitalistischen Elite, einhergehend mit der Formung der Gesellschaft zu einer Schar von konsumierenden und willenlosen Idioten. Sie führt weder zur Verminderung der Armut noch zur weltweiten Durchsetzung von sozialer Gerechtigkeit. Dass ihr also entgegengetreten werden muss, ist wohl keine Frage ...
... Lebensqualität:
Glück entsteht meiner Meinung nach durch die Vielfältigkeit der Erlebnisse, durch den Kontakt mit interssanten Menschen, durch persönliche Erfolge und dem Genuss des Schönen. Leben ist qualitativ hochstehend, doch Leben bedeutet frei zu sein um seine Ideen zu verwirklichen. Jeder ist zwar seines Lebensglückes eigener Schmied, doch dies ist nur möglich, wenn die Umwelt dies dem einzelnen auch erlaubt. Das Leben selbst muss im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses stehen und nicht nur das dazugehörende Unterthema "Wirtschaft".
Die Abkehr von der fossilen Industrialisierung ist notwendig. Der Wechsel zur nachhaltigen Produktion von Gütern ist innerhalb unserer Gegenwärtigen Produktions- und Verhaltensschemen aber unmöglich. Wir müssen desshalb weg vom Selbstzweck der Güter. Die geistige Leere des Konsums und des Materialismus ist offensichtlich. Freude bringt er nicht. (Schon mal jemanden im Kaufleuten lächeln gesehen?)Natürlich sind dies aber nur die Worte eines Menschen, der im Vergleich zu den meisten Bewohnern auf diesem Planeten sehr viel besitzt.
... Gleichstellung:
Wie kann man eine Gesellschaft überhaupt fortschrittlich nennen, wenn sie die vielen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in ihr einfach akzeptiert oder negiert? Wie viele Menschen leben in dieser Gesellschaft und werden benachteiligt, nur weil sie nicht weiss, männlich und mit Schweizer Pass ausgerüstet sind? Erst wenn es keinen Unterschied mehr macht, woher man kommt, wie man aussieht und wie man heisst, erst wenn es nur noch darauf ankommt, wer man/frau selber ist, dann ist die Gleichstellung erreicht.
... Bildung:
Die Bildung steht in der gegenwärtigen Zeit arg unter dem Zwang, sich mehr und mehr nur auf wirtschaftlich nutzbare Inhalte auszurichten. Unter Bildung verstehe ich aber nicht das Büffeln von ökonomisch verwertbarem Wissen. Durch Bildung soll der Mensch zum selbst denkenden und analysierenden Wesen entwickelt werden, dass sich selbst, seine Umwelt und seine Aufgaben reflektiert und versteht. Bildung soll eine Bereicherung für den Menschen selbst und nicht eine blosse Steigerung des kapitalistischen Humankapitals darstellen. Hierzu ist es notwendig, dass einerseits vielfältige Bildungsmöglichkeiten für jeden bestehen und andererseits, dass der Zugang zu diesen nicht von der persönlichen ökonomischen Situation abhängt.
Bildung ist teuer, doch sie muss es uns Wert sein. Doch soll beim Mitteleinsatz der wirklich Nutzen im Vordergrund stehen. Zum Beispiel mögen Computer in allen Klassen zwar zum Teil sinnvoll sein, um den Umgang mit der unser momentanes Leben dominierenden Informationstechnologie zu erlernen. Doch alle Hilfsmittel sind jeweils nur eine Ergänzung zur menschlichen Betreuung. Und diese muss Gewährleistet sein. Mit Klassengrössen, wie sie im Moment in der Schweiz üblich sind, ist sie es nicht.

